Aktuelle Veranstaltungen

Unser Thema im Monat Juni lautet: „Massentourismus oder naturnaher Individualurlaub“.

 

Wir beschäftigen uns diesen Monat mit der problematischen Entwicklung des Massentourismus auf den Kanaren. Als Alternative stellen wir ein FKK-Dorf auf Lanzarote vor, das der ursprünglichen Idee des naturnahen Tourismus näher kommt.

 

4.6.2024 Nackt im Paradies: das FKK-Dorf Charco del Palo auf Lanzarote

Viele von uns kennen natürlich den Nackbadestrand von Playa del Ingles und die Dünen von Maspalomas auf Gran Canaria. Für schwule Männer lange Zeit der Inbergiff der sexuellen Freiheit. Dass das Nacktbaden einmal um 1900 aus der Lebensreform-Bewegung entstand, ist vielen nicht bekannt. Die Lebensreformbewegung war eine der vielen sozialen Protestströmungen der vorletzten Jahrhundertwende, die der negativ gedeuteten, durch Verstädterung, Naturzerstörung und Kapitalismus geprägten modernen Industriegesellschaft ein positives soziales Utopia entgegensetzte. Ihr Wirkung reichte bis in die 1930er Jahre. Zumal nach der sogenannten „Sexuellen Revolution“ haftete aber der „Freikörperkultur“ (FKK) etwas Altmodisches an, aber ganz tot war die Bewegung nicht. Sie überlebte in FKK-Vereinen und es war kein Zufall, dass der deutsche Unternehmer Gregor Kaiser in den 1970er Jahren in Charco del Paso auf Lanzarote in Abstimmung mit der örtlichen Politik nach und nach ein ganzes Dorf zum FKK-Gebiet erklären konnte. An diesen Ort fahren Heinrich und Marcus, ein schwules Paar aus dem Umfeld des Cafe Karussell, schon seit ein paar Jahren und finden es geradezu meditativ, dem Brausen der starken Brandung nackt auf den Felsen sitzend stundenlang zuzuhören. Es ist eine Tiefenentspannung und ein großes Naturerlebnis, die kanarische Luft den ganzen Körper umwehen zu lassen. Nach einem Kurzreferat über die Lebensreform-Bewegung werden die beiden im Gespräch mit Michael Holy über ihre Erfahrung mit ganztägiger Nacktheit berichten.

 

18.6.2024 Revolte im Paradies – Kritische Anmerkungen zum schwulen Massentourismus auf den Kanaren

Im April 2024 kam es auf den Straßen der großen Städte der Kanaren zu massenhaften Protesten gegen die negativen Folgen des Massentourismus für die einheimische Bevölkerung. Nach Angaben der Polizei gingen etwa 20.000 Menschen auf die Strasse, nach Angaben der Organisatoren waren es sogar knapp 50.000 Teilnehmer*Innen. Die Vereinigung der Naturfreunde Teneriffas (ATAN) erklärte, bei den Protesten gehe es nicht um Tourismusphobie. Aber die Tourismuspolitik auf den Inseln sei völlig falsch und gescheitert, sie zerstöre das Land und die Artenvielfalt. Darüber hinaus nimmt die Anzahl der touristischen Vermietungen über Plattformen wie Airbnb sowie der Kauf von Wohnungen für Langzeiturlauber immer mehr zu. Dadurch steigen die Mieten für die Einheimischen ins Unbezahlbare. 2021 hatte die BILD-Zeitung unter der Überschrift „Sextouristen zerstören Urlaubsparadies“ über eine Studie der Universität von Las Palmas über Schäden im Naturschutzgebiet der Dünen von Maspalomas, das seit Jahrzehnten von Schwulen (aber nicht nur diesen) für Cruising genutzt wird. Zentrale Aussage: Manche Sex-Touristen zertrampelten seltene Pflanzen und hinterlassen Müllhaufen, die Tiere gefährden. Wir wollen in unserer Diskussion die rücksichtslose Form des Massentourismus auf den Kanaren problematisieren und über Alternativen sprechen.

 

Unser Thema im Monat Juli lautet: „Rede und Gegenrede in schwierigen Zeiten“.

 

Im Juli wollen wir zwei schwierige Themen angehen: den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern sowie die Frage der kulturellen Einstellungen zu Homosexualität im Libanon im Vergleich zu Deutschland.

 

02.07.2024 Die Verschwulung der Welt

Im Rahmen des Austauschprogramms „West-Östlicher Diwan“ besuchten sich der deutsche Autor Joachim Helfer und der libanesische Romancier Rashid al-Daif gegenseitig in Berlin und Beirut. Von den Teilnehmern des Austauschprogramms wird erwartet, dass sie ihre Eindrücke in Form eines Essays oder Ähnlichem veröffentlichen. Rashid al-Daif entledigte sich dieser Aufgabe, in dem er in Beirut eine anthropologisch verbrämte Reportage über Helfers Privatleben ohne dessen Zustimmung unter dem Titel „Audat al-almani ila ruschdihi“ („Die Rückkehr des Deutschen zur Vernunft") veröffentlichte. Joachim Helfer wiederum ließ dieses Protokoll ihrer Begegnungen versehen mit kommentierenden Einschüben bei Suhrkamp unter dem Titel „Die Verschwulung der Welt“ erscheinen, ebenfalls ohne Abstimmung mit al-Daif, den er dennoch als „mein Freund“ bezeichnet. Der Titel stammt aus einem Zitat Hubert Fichtes: „Ich glaube an die Freiheit. Und Freiheit kann ja nur Ritenlosigkeit heißen. Ich habe es einmal die 'Verschwulung der Welt' genannt.“ Was al-Daif „Die Rückkehr des Deutschen zur Vernunft“ nennt, ist die überraschende Wendung, dass sich der Schwule Joachim Helfer in Beirut in eine Frau verliebt und mit ihr ein Kind zeugt. Damit entspricht er der Überzeugung des arabischen Autors, dass ein Mann sich sexuelle Vergnügungen auch bei anderen Männern holen darf, aber vor allem auch in der Lage sein muss, seinen Samen einer Frau „einzupflanzen“, weil für ihn nur Fortpflanzung gleich Weitergabe von Erfahrung sei. Michael Holy liest Auszüge aus dieser schonungslos offenen Rede und Gegenrede. Anschließend wie immer Diskussion.

 

16.07.2024 Israel - ein Email-Austausch

Der deutsche Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani, Kind iranischer Einwanderer, und der ebenfalls in Deutschland geborene, aber in Tel Aviv lebende israelische Soziologe Natan Sznaider lernten sich 2002 in Haifa kennen. Im Westjordanland und im Gazastreifen tobte zu der Zeit die zweite „Intifada“, ausgelöst im Jahr 2000 durch den Besuch des israelischen Oppositionspolitikers Ariel Sharon auf dem unter arabischer Verwaltung stehenden Jerusalemer Tempelberg. Im Unterschied zur ersten „Intifada“, die eher ein Aufstand von Angehörigen der einfachen Bevölkerung gegen die israelische Besatzung war, setzten radikale Palästinensergruppen wie die Hamas diesmal auf Terroranschläge in Israel. In dieser eskalierenden Situation begannen die beiden Publizisten einen Mail-Austausch, der auf einer wechselseitigen Vorablektüre und Korrektur ihrer jeweiligen Israel-Berichte für die Frankfurter Rundschau (Sznaider) bzw. die Süddeutsche Zeitung (Kermani) entstand. Unter dem Schock des Terrorangriffs der Hamas am 7. Oktober 2023, dem bisher über 1100 israelische Zivilisten, Sicherheitskräfte und Ausländer zum Opfer fielen, beschlossen die beiden befreundeten Publizisten, den damaligen Mail-Austausch im Hanser-Verlag zu veröffentlichen. Kalle Ohnemus, Germanist und langjähriger Besucher des Cafe Karussell, und Theresa Buschmann, Sängerin, ausgebildete Sprecherin und Soziologin aus Frankfurt, lesen aus dieser Korrespondenz, die versucht, aus der zeitlichen Distanz zu zeigen, dass bei aller Unterschiedlichkeit der Positionen, ein Gespräch möglich und nötig ist.

 

Alle Veranstaltungen finden nach jetziger Planung „live“ im Switchboard statt.

Alte Gasse 36, 60313 Frankfurt am Main, von 14:30 bis ca. 17 Uhr. Die eigentliche Veranstaltung beginnt gegen 15 Uhr.

 

Hygiene-Hinweis: Bei akuten Atemwegsinfektionen bitte zu hause ausruhen und das nächste Mal kommen.

 

Damit wir wegen der begrenzten Sitze im Switchboard (maximal 25 Sitzplätze) niemanden wegschicken müssen, bitten wir um Anmeldung unter cafekarussel@gmx.de.

 

Alle Veranstaltungen dauern ungefähr 1 1/2 Stunden.

Das Switchboard in der Alten Gasse 36 öffnet wie immer um 14:30 Uhr,

die eigentliche Veranstaltung beginnt gegen 15:15 Uhr.

 

Außerdem:

Jeden Dienstag in der Zeit von 14:00 bis 16:00 Uhr bietet ein qualifizierter Berater der AG36 – Schwules Zentrum – telefonische (069) 295959 und persönliche Beratung für homosexuelle Männer 60 plus in der Alten Gasse 36 an.

 

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